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Headless CMS: Hype oder No-Brainer?
Warum Headless CMS für viele Unternehmen attraktiv sind – Vorteile, Trends und Erfahrungen aus Projekten.
Headless CMS bei Anwender*innen immer beliebter
In den letzten Jahren hat sich rund um das Thema „Headless Content Management Systems“. Kurz „Headless CMS“ eine Menge getan. Doch, warum sind diese Lösungen für viele Unternehmen so attraktiv geworden? Hier findet ihr eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und meine Erfahrungen aus aktuellen Projekten.
Laut einer Storyblok-Studie [1] unter 1.719 CMS Usern in Deutschland, Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Schweden, berichten 99 Prozent der Unternehmen, die auf ein Headless CMS umgestiegen sind, von signifikanten Verbesserungen. Gründe sind die zentral verwaltbaren Inhalte auf einer zentralen Plattform mit einem modernen Technologie-Stack. Außerdem berichten die Unternehmen über:
· einen um 61 % höheren ROI
· eine um 58 % gesteigerte Produktivität
Laut derselben Studie planen 74 Prozent der Nutzer*innen, die bisher noch kein Headless CMS verwenden, dies in naher Zukunft zu ändern. Was bewegt sie dazu?
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Unterschiede zu einem traditionellen CMS.
Was ist ein Headless CMS – und wie unterscheidet es sich vom traditionellen CMS?
Bei einem Headless CMS sind Front- und Backend nicht direkt miteinander verbunden. Es kommt ohne Frontend (Head) aus, daher auch der Name Headless. Es hat also eine völlig andere Architektur als ein traditionelles CMS.
Ein Headless CMS ist ideal, um Inhalte für verschiedene Kanäle zentral zu verwalten. Dazu zählen Webseiten, Social Media, Onlineshops und mehr. Kurz: Es ist ein Multichannel-CMS, das Inhalte nicht mehr nur über die Website bereitstellt, sondern auch über Apps oder soziale Medien.
Herkömmliche Content Management Systeme sind historisch vor allem auf die Erstellung und Verwaltung von Inhalten für Webseiten ausgelegt. Dabei sind Inhalt (Content) und Darstellung (Layout, Design) oft eng miteinander verknüpft. Ein Beispiel hierfür: Redakteur*innen legen im CMS per WYSIWYG-Editor (kurz für What You See Is What You Get, also eine Darstellung in Echtzeit) nicht nur fest, was geschrieben wird, sondern auch wie es visuell dargestellt wird. Das erschwert spätere Anpassungen im Design oder die Nutzung derselben Inhalte auf verschiedenen Endgeräten deutlich.
Headless CMS‘ gehen einen anderen Weg:
- Content lässt sich auch hier visuell beschreiben, dies jedoch unabhängig von der Darstellungstechnologie, wie iOS, Android, HTML etc.
- Sie stellen Inhalte über APIs bereit (z. B. REST oder GraphQL).
- Verschiedene Frontends – sei es eine Webseite, eine Mobile App oder gar eine Smart-TV-Anwendung – können den strukturierten Content abrufen und individuell darstellen.
Diese Entkopplung ermöglicht eine wesentlich flexiblere Nutzung der eigentlichen Inhalte (Texte, Bilder, Videos etc.) und reduziert den Aufwand bei Design- oder Technologiewechseln erheblich.
Das erklärt den Hype: Drei große Vorteile von Headless CMS
1. Flexibilität und Wiederverwendbarkeit
Das Headless CMS ruft den Inhalte über APIs ab und kann sie so auf beliebigen Endgeräten ausgeben – vom klassischen Browser über mobile Apps bis hin zum Bordcomputer im Auto. Das macht es leichter, neue Kanäle zu erschließen, ohne sämtliche Inhalte neu pflegen zu müssen.
2. Schnelle Anpassung an neue Designs oder Corporate Identities
Wer schon einmal ein Redesign in einem klassischen CMS hinter sich hat, kennt den Aufwand: Oft mussten die Entwickler*innen Inhalte komplett neu strukturieren oder migrieren, weil Texte und Layout zu eng miteinanderverknüpft waren. Mit einem Headless CMS lässt sich ein neues Design wesentlich schneller umsetzen, da Inhalt und Gestaltung getrennt sind.
3. Klare Content-Strukturen für mehr Übersicht und Effizienz
Headless CMS-Lösungen setzen auf saubere Datenmodelle und die Wiederverwendung von Content-Modulen. Möchten Redakteur*innen z. B. Kundenzitate in verschiedenen Bereichen einer Website und App einsetzen, reicht es aus, diese einmal zentral zu pflegen und darauf zu verweisen. Das reduziert Redundanzen und senkt langfristig den Pflegeaufwand. So erklären sich die in den Studien erwähnten Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen.
Zwei Wermutstropfen beim Headless CMS
An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch ein Headless CMS ein bis zwei Herausforderungen mit sich bringt: Erstens, können die anfänglichen Implementierungskosten für ein Headless CMS höher sein als für ein traditionelles Tool. Warum? Da das Frontend separat entwickelt und gestaltet werden muss, kann dies zu höheren Entwicklungs- und Implementierungskosten führen. Eine sorgfältige Planung und die damit verbundene höhere Flexibilität und Skalierbarkeit, können diesen anfänglichen Mehraufwand jedoch durch langfristige Einsparungen und Effizienzsteigerungen ausgleichen. Das bestätigt auch der in der oben erwähnten Studie gemessene hohe ROI. Zweite Herausforderung: Standards und Plugins.
Herkömmliche CMS-Systeme wie Drupal verfügen über eine Vielzahl von Templates und Plugins. Bei Headless CMS Systemen ist das nicht immer so. Developer*innen müssen also möglicherweise mehr Aufwand in individuelle Lösungen stecken, was den Entwicklungsprozess verlängern kann. Dieser Nachteil kann zum Vorteil werden, denn durch den Fokus auf den reinen Content durch das Headless CMS ergibt sich eine neue Freiheit für die Frontend-Entwickler*innen: Sie können den Content nun mit ihren vertrauten Werkzeugen ansprechend und modern darstellen. Dem Einsatz moderner Frontend-Technologien wie z. B. React.js, Vue.js oder Tailwind steht somit nichts mehr im Wege.
Generell empfehlen wir Headless CMS aktuell vor allem für Omnichannel-Plattform-Projekte und personalisierte, dynamische Inhalte sowie immer dann, wenn Skalierbarkeit eine wichtige Kundenanforderung an das CMS ist und die Zukunftssicherheit der Technologie im Fokus steht.
Headless CMS in der Praxis: Beispiele aus aktuellen Projekten bei blu BEYOND
In unseren Projekten setzen wir verstärkt auf Headless-Lösungen. Ein konkretes Beispiel ist ein Vorhaben aus dem Automobilbranche, wo man besondere Fahrerlebnisse für Privatpersonen anbietet. Wir setzen das hybride CMS Wagtail als Headless-Variante ein, um den Content für Registrierungs- und Buchungsprozesse zentral zu pflegen und in verschiedene Frontend-Komponenten zu integrieren. Diese hybriden Systeme können als klassisches CMS auftreten (ähnlich wie WordPress). Haben aber auch erstklassigen API-Support (was bei WordPress nicht der Fall). So arbeitet man mit dem Besten aus zwei Welten. Wir nutzen Wagtail als Headless CMS, um redaktionellen Inhalt für die Website und den Buchungsprozess zentral durch Redakteur*innen zu pflegen. Dieser Content wird dann von Wagtail über eine API bereitgestellt. Der Vorteil liegt darin, dass die Entwickler*innen Content einfach in die dynamischen und interaktiven JavaScript-React-Komponenten einbinden können. So können die Redakteur*innen Inhalte auf der einen Seite leichter pflegen und wir auf der anderen Seite eine moderne Website entwickeln, die dynamisch auf diesen Content reagiert.
Kühlen Kopf bewahren bei der Auswahl eines geeigneten Headless CMS
Bislang hat sich im wachsenden Markt der Headless-CMS-Systeme noch kein eindeutiger „Sieger“ herausgebildet. Zwar gibt es bereits etablierte Anbieter wie Contentful oder Sanity, andererseits erfreuen sich auch neuere Lösungen wie Storyblok rasch wachsender Beliebtheit. Hinzu kommen „hybride“ Systeme wie Wagtail oder Payload CMS, die sich wie ein klassisches CMS betreiben lassen (ähnlich WordPress), aber gleichzeitig einen erstklassigen API-Support bieten. Welche Plattform letztlich die beste Wahl ist, hängt stark von den individuellen Anforderungen ab – beispielsweise Integrationsfähigkeit, Benutzerfreundlichkeit, Hosting-Modell und Sicherheitsanforderungen. Eine gründliche Anforderungsanalyse ist daher vor der Entscheidung für eine bestimmte Lösung unerlässlich.
Faktoren, die ihr vor einer Auswahl in Betracht ziehen solltet:
- Enterprise-Features wie Single Sign-On, Rollen- und Rechteverwaltung
- Benutzerfreundlichkeit für die Redakteur*innen
- Integrationsfähigkeit in bestehende Systemlandschaften
- Hosting-Konzept (Cloud/SaaS oder On-Premises)
- Budget und Lizenzmodelle
Drum prüfe, wer sich enger und länger bindet: Führt einen strukturierten Analyse- und Auswahlprozess durch. Pro-Tipp: In unserem Team prüfen die Expert*innen, welche konkreten Ziele unsere Kundenunternehmen mit dem CMS verfolgen, wie der Content gepflegt werden soll und in welchen Kanälen er zum Einsatz kommen soll. Auf Basis dieser Informationen sprechen wir eine konkrete Empfehlung für ein geeignetes Headless CMS aus.

In diesem Sinne: Wählen Sie Ihr Headless CMS mit Bedacht!
Wir unterstützen Sie gerne!
Lars Hoss
Senior Software-Developer

